Reunion 2010 Berlin

12. – 14. November 2010

Vom Freitag, den 12. bis Sonntag, den 14. November 2010 fand bereits zum vierten Mal das Mastertreffen „Reunion“ in Berlin statt. Aus dem ganzen Bundesgebiet und auch aus dem Ausland kamen mehr als 70 "Master of Science in Oral Implantology" in Berlin zu ihrer jährlichen Tagung – „Reunion“ – zusammen. Auch in diesem Jahr wurde die Veranstaltung, die auch für implantologisch interessierte Zahnärztinnen und Zahnärzte aus Berlin und dem Umland offen ist, von den Berliner Zahnärzten und Implantologen Dr. Derk Siebers MSc., Peter Albrecht MSc., Dr. Georg Rossmann-Heuer MSc und Dr. Jörn Werdelmann MSc. organisiert.

Wie viel Implantate braucht der Mensch?
Therapiekonzepte mit unterschiedlichen Implantatzahlen

Das Thema der Reunion-Tagung 2010 war: „Wie viel Implantate braucht der Mensch?“ Ziel des Fortbildungswochenendes sollte es sein, Therapiekonzepte mit unterschiedlichen Implantatzahlen vorzustellen, die verschiedenen Indikationsgebiete zu differenzieren und Vor- und Nachteile der einzelnen Therapieformen zu beleuchten. Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung ist die fortwährende fachliche Auseinandersetzung  sowie die Diskussion und der Erfahrungsaustausch qualifizierter Spezialisten zur Verbesserung der Ergebnisqualität implantologischer Versorgungen für unsere Patienten. Ein vollgepacktes aber interessantes Tagungsprogramm erwartete die Teilnehmer der Reunion-Tagung 2010.

Eröffnet wurde das Mastertreffen am Freitag Abend beim Sektempfang an der Hotelbar, wo sich Referenten und Teilnehmer nach der Anreise zum ersten Gespräch trafen. Traditionell fand anschließend das Eröffnungsdiner im Restaurant Lochner statt. Kollegialer Erfahrungsaustausch und Pflege der bestehenden und Aufbau neuer „Masterfreundschaften“ stand im Vordergrund des ersten Abends.

Ein straffes, interessantes Fortbildungsprogramm erwartete die Teilnehmer der 4. Reunion-Veranstaltung am Samstag. Das Motto des Jahres 2010 lautete „Wie viel Implantate braucht der Mensch?“

Die  beiden Hauptreferenten, Dr. Ackermann und Prof.Dr. Brägger sollten Antwort auf die Frage nach der medizinisch sinnvollen und auch notwendigen Implantatzahl zu geben. Es standen sich zwei Vertreter unterschiedlicher Philosophien gegenüber, die überzeugend darlegen konnten, dass infolge unterschiedlicher Konzepte bei gleicher Ausgangssituation unterschiedliche Implantatzahlen möglich und auch sinnvoll sein können. Prof. Brägger verteidigte das „Schweizer Sparkonzept“ mit möglichst geringer Implantatzahl einen kostengünstigen, aber nachhaltigen Erfolg zu erzielen. Sozusagen „Reduce to the Max Swissmade“ – auf wissenschaftlich abgesicherter Grundlage mit möglichst Wenig möglichst Viel erreichen.
  
Demgegenüber konnte Dr. Ackemann aufzeigen, dass man auch mit ein bisschen Mehr erfolgreich therapieren und medizinisch sinnvoll restaurieren kann. Aber wo sind die Grenzen? Bedeutet Mehraufwand immer auch automatisch einen höheren Nutzen für den Patienten? Dr. Ackermann erläuterte uns seine Philosophie, dass verlorengegangene Zähne im Idealfall jeweils durch eine künstliche Zahnwurzeln ersetzt werden sollten.

Als besonderer Gast war Frau Prof. Bleker geladen, die als emeritierte Professorin für Geschichte der Medizin zu ethischen Aspekten der Zahnmedizin Stellung bezog. Sie beleuchtet mit ihrem interessanten Vortrag die Hintergründe des täglich notwendigen Spagats zwischen medizinisch Wünsch- und Machbarem und wirtschaftlich Möglichem.

Ganz besonderer Dank gilt auch dieses Jahr wieder der Industrie, die dieses Treffen großzügig unterstützt und es in dieser Form möglich gemacht hat. Unsere Hauptsponsoren waren: BTI Deutschland (Biotechnology Institute), Nobel Biocare und Straumann. Sponsoren waren Astra Tech und BioHorizons und als Unterstützer bedanken wir uns bei Geistlich und Botiss, Camlog, Thommen, Zimmer, Sybron, Dentsply, ADS, Dr. Güldener Gruppe, Dentalpoint und Meisinger.

Sponsoren

Prof. Günter Dhom
eröffnete die Fortbildungsveranstaltung

In seinen einleitenden Worten stellte er den Erfolg des Masterstudienganges in den Mittelpunkt. Man könne drei Stadien des Erfolges unterscheiden: Stadium 1: „das belächelt werden“, Stadium 2: „das bekämpft werden“ und die höchste Stufe des Erfolges - das Stadium 3: „das kopiert werden“. Prof. Dhom betonte, dass der Masterstudiengang für orale Implantologie inzwischen im dritten Stadium, also der höchsten Stufe des Erfolges angelangt sei, weil er zahlreiche Nachahmer gefunden hat.

Prof. Urs Brägger

Geiz ist geil
sind günstige Konzepte auch zahnmeditzinisch sinnvoll?

Prof. Dr. Urs Brägger, Leiter der Kronen- und Brückenprothetik der Universität Bern sowie Medical Manager eröffnete das wissenschaftliche Hauptprogramm.Sein Vortrag beleuchtete die bestehende wissenschaftliche Evidenz für verschiedene Implatationsindikationen bei unterschiedlichen Belastungsprotokollen. Er konnte belegen, dass bezüglich des Implantatüberlebens mit allen Implantationsprotokollen auch bei geringen Implantatzahlen ausgezeichnete Resultate erzielt werden können. Ein Einfluss der Implantatzahl auf das Implantatüberleben bestände nicht, allerdings gäbe es starke Korrelation zu möglichen Komplikationen. Im zweiten Teil seines Referates verdeutlichte Prof. Brägger die verschiedensten ökonomischen Aspekte implantatgetragener und herkömmlicher Rekonstruktionen sowie Kosten-Nutzen-Analysen unterschiedlicher Therapien. Eine definitive minimale oder maximale Implantatzahl für unterschiedliche Indikationen wurde selbstverständlich nicht genannt. Vielmehr sei das individuelle Therapieangebot eines Behandlers von zahlreichen Einzelfaktoren abhängig wie z.B. Ausbildungsstand, Ausstattung, Fähigkeiten und Erfahrung des Behandlers. Zusammenfassend kann zur Implantatzahl konstatiert werden: So viel wie nötig aber so wenig wie möglich.

Dr. Karl-Ludwig Ackermann

Darf es ein bisschen mehr sein
Ist mehr automatisch auch besser?

Der allen als Lehrer aus dem Masterstudium bestens bekannte Hauptreferent vertrat den Gegenpol. Er stellte sein vielfach praktiziertes und langbewährtes Implantat-pro-Zahn-Konzept vor, bei dem die Sicherheit und optimale Einleitung der Kaukräfte in den Kiefer im Vordergrund steht. Er untermauerte seine These durch zahlreiche Falldokumentationen. Dr. Ackermann zeigte Bilder von Restaurationen, die länger als 30 Jahre erfolgreich in Funktion standen und noch stehen. Das Motto ist: lieber ein Implantat mehr und damit auf der sicheren Seite sein, als eins zu wenig und einen Mißerfolg riskieren. Auch seien eventuell später auftretende Komplikationen oft leichter zu beherrschen, wenn nicht die gesamte Rekonstruktion auf einigen wenigen Implantaten ruht. Natürlich ist das kein Sparkonzept und setzt eine gewisse finanzielle Belastbarkeit des Klientels voraus.

Prof. Johanna Bleker

Ethische Aspekte in der Implantologie

Abgerundet wurde das Fortbildungsprogramm durch Frau Prof.Dr. Jo-hanna Bleker. Sie betonte, dass es ein zunehmendes Interesse an ethischer Rechtfertigung in allen Bereichen der Gesellschaft zu bemerken sei. "Kann das Herstellen sozialer Gerechtigkeit noch als ärztliches Ziel betrachtet werden?" war ihre provokante Fragestellung. In der heutigen Zeit sollten Ärzte zumindest versuchen vorhandene soziale Unterschiede nicht noch zu verschärfen. Entscheidend für ein ethisch korrektes Prozedere des Arztes sei im Hinblick auf die Prinzipienethik nicht das Abarbeiten einer Checkliste Nutzen- und Schadenabwägung sondern die Verantwortung des Arztes für jeden individuellen Einzelfall. Auch sie antwortete auf die Frage "Wie viel Implantate braucht der Mensch?" und stellte fest: "Soviel, wie der Implantologe ihm rät, sofern er dem vertrauen kann." Frau Prof. Bleker beschloss ihren Vortrag mit einem Plädoyer für eine Verbesserung der Schulzahnmedizin und der Prävention sowie dem politischen Engagement der Ärzteschaft für den Verbleib medizinisch notwendiger Leistungen im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen.

 

Frau Ritzert

Dentalife, die erste Ausgabe der Praxiszeitung für die Masetrpraxis

Der letzte Vortrag betraf das Projekt unserer Master-Praxiszeitung. Ein Musterexemplar war in Druck gegangen und wurde an alle Master zur Ansicht verteilt. Es bleibt zu hoffen, dass die anfänglich gemachten zahlreichen Zusagen eingelöst werden, damit das Projekt nun umgehend umgesetzt werden kann.

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